Warum die 60/40-Logik 2026 endgültig ausgedient hat.
Vier Jahrzehnte lang war das 60/40-Portfolio das stille Versprechen der Vermögensverwaltung. 60 % Aktien für den Ertrag, 40 % Anleihen für den Schlaf. Eine Formel, die ganze Generationen von Beratern überlebt hat. Im Jahr 2026 ist sie nicht nur überholt — sie ist gefährlich, weil sie immer noch verkauft wird.
Was eigentlich passiert ist
Die Annahme hinter 60/40 war nie ein Naturgesetz, sondern eine Korrelation: Wenn Aktien fallen, steigen Anleihen — der Kupon glättet das Risiko. Diese Korrelation funktionierte solange Zinsen langfristig sanken. Vier Jahrzehnte Rückenwind, den niemand mehr als solchen wahrgenommen hat.
2022 endete dieser Zyklus auf eine Weise, die in keinem Risikomodell vorgesehen war. Aktien verloren zweistellig. Anleihen verloren zweistellig. Das klassisch ausbalancierte Portfolio hatte das schlechteste Jahr seiner gemessenen Geschichte — und niemand konnte sich darauf berufen, es nicht gewusst zu haben.
Warum die Logik 2026 nicht zurückkehrt
Wer hofft, dass mit der Zinswende die alte Welt wiederkommt, missversteht die neue Struktur: Inflation ist nicht mehr Risiko, sondern Regime. Geopolitik ersetzt Geldpolitik als Haupttreiber. Staatsverschuldung in den G7 ist auf einem Niveau, das jede ernsthafte Renditeillusion in Anleihen erstickt.
Gleichzeitig hat sich der Bewertungsspread zwischen den großen Asset-Klassen so verschoben, dass eine simple Quotenlogik kein Maß mehr ist. Wer 2026 noch in 60/40 denkt, denkt in einer Welt, die es nicht mehr gibt.
Was an die Stelle tritt
Wir arbeiten in der Praxis mit drei Schichten: einem Sockel aus realen Vermögenswerten, der nicht jedes Quartal neu bewertet werden muss; einer liquiden, breit diversifizierten Strategieschicht, die Volatilität nicht vermeidet, sondern nutzt; und einer opportunistischen Schicht, die zugreift, wenn andere panisch verkaufen.
Das ist keine Modeerscheinung — das ist das, was wir seit 2008 immer wieder gesehen haben: Vermögen, das ein Jahrzehnt überdauern soll, braucht mehr als zwei Hebel. Es braucht eine Architektur.
Wenn Ihr aktuelles Portfolio in einer Quotenlogik aus dem letzten Zyklus steckt, ist das keine Frage des Geschmacks. Es ist eine Frage der Zeit, bis Sie eine Rechnung präsentiert bekommen, die Sie nicht stellen wollten.
