Journal

Gedanken, die länger tragen als ein Quartal.

Was wir in Mandantengesprächen sehen, in Strukturen begleiten und in Entscheidungen abwägen — ausformuliert für alle, die nicht nur die Schlagzeile lesen wollen.

AllokationMai 2026 · Lesezeit 8 Min.

Warum die 60/40-Logik 2026 endgültig ausgedient hat.

Vier Jahrzehnte lang war das 60/40-Portfolio das stille Versprechen der Vermögensverwaltung. 60 % Aktien für den Ertrag, 40 % Anleihen für den Schlaf. Eine Formel, die ganze Generationen von Beratern überlebt hat. Im Jahr 2026 ist sie nicht nur überholt — sie ist gefährlich, weil sie immer noch verkauft wird.

Was eigentlich passiert ist

Die Annahme hinter 60/40 war nie ein Naturgesetz, sondern eine Korrelation: Wenn Aktien fallen, steigen Anleihen — der Kupon glättet das Risiko. Diese Korrelation funktionierte solange Zinsen langfristig sanken. Vier Jahrzehnte Rückenwind, den niemand mehr als solchen wahrgenommen hat.

2022 endete dieser Zyklus auf eine Weise, die in keinem Risikomodell vorgesehen war. Aktien verloren zweistellig. Anleihen verloren zweistellig. Das klassisch ausbalancierte Portfolio hatte das schlechteste Jahr seiner gemessenen Geschichte — und niemand konnte sich darauf berufen, es nicht gewusst zu haben.

Warum die Logik 2026 nicht zurückkehrt

Wer hofft, dass mit der Zinswende die alte Welt wiederkommt, missversteht die neue Struktur: Inflation ist nicht mehr Risiko, sondern Regime. Geopolitik ersetzt Geldpolitik als Haupttreiber. Staatsverschuldung in den G7 ist auf einem Niveau, das jede ernsthafte Renditeillusion in Anleihen erstickt.

Gleichzeitig hat sich der Bewertungsspread zwischen den großen Asset-Klassen so verschoben, dass eine simple Quotenlogik kein Maß mehr ist. Wer 2026 noch in 60/40 denkt, denkt in einer Welt, die es nicht mehr gibt.

Was an die Stelle tritt

Wir arbeiten in der Praxis mit drei Schichten: einem Sockel aus realen Vermögenswerten, der nicht jedes Quartal neu bewertet werden muss; einer liquiden, breit diversifizierten Strategieschicht, die Volatilität nicht vermeidet, sondern nutzt; und einer opportunistischen Schicht, die zugreift, wenn andere panisch verkaufen.

Das ist keine Modeerscheinung — das ist das, was wir seit 2008 immer wieder gesehen haben: Vermögen, das ein Jahrzehnt überdauern soll, braucht mehr als zwei Hebel. Es braucht eine Architektur.

Wenn Ihr aktuelles Portfolio in einer Quotenlogik aus dem letzten Zyklus steckt, ist das keine Frage des Geschmacks. Es ist eine Frage der Zeit, bis Sie eine Rechnung präsentiert bekommen, die Sie nicht stellen wollten.

SteuernApril 2026 · Lesezeit 11 Min.

Holdingstruktur nach Exit — vier Wege, drei Fallstricke.

Die meisten Verkäufer sprechen mit ihrem Steuerberater zum ersten Mal über die Struktur, wenn der LOI auf dem Tisch liegt. Das ist sechs Monate zu spät. In dieser Phase haben wir bei begleiteten Mandaten regelmäßig mittlere siebenstellige Beträge bewegt — allein durch Strukturentscheidungen, die rechtzeitig getroffen wurden.

Weg 1 — Direkter Verkauf aus dem Privatvermögen

Der einfachste, aber meist teuerste Weg: Verkauf der Anteile direkt durch die natürliche Person. Teilfreistellung über das Teileinkünfteverfahren, Rest mit dem persönlichen Spitzensteuersatz. Klingt schmerzhaft, ist es auch.

Sinnvoll nur, wenn der Verkaufserlös tatsächlich kurzfristig privat verwendet werden soll — Hausbau, Lebensplanung, Schenkung. In allen anderen Fällen verschenken Sie hier Liquidität, die Sie für den Rest Ihres Lebens nie wieder aufholen.

Weg 2 — Holding als reiner Steuerstundungs-Vehikel

Der Klassiker: Anteile werden vor dem Verkauf in eine vermögensverwaltende Holding eingebracht. Beim Exit fällt auf Holdingebene nur eine sehr niedrige Effektivsteuer an. Der wesentliche Hebel.

Aber: Die Einbringung muss steuerlich sauber strukturiert sein (Sperrfristen, Bewertungsfragen), und sie muss früh genug erfolgen. Wer das zwei Monate vor Signing macht, läuft direkt in eine Missbrauchsdiskussion mit dem Finanzamt — die Sie verlieren.

Weg 3 — Holding mit operativer Substanz

Die elegante Variante: Holding mit eigener wirtschaftlicher Aktivität (Beteiligungen, eigene Mandate, Beratung). Steuerlich identisch zur reinen vermögensverwaltenden Holding, aber substanziell stabiler — und besser geeignet, wenn Sie das Vermögen über die nächste Generation hinaus strukturieren wollen.

Hier kommt die Frage nach Familienstiftung, Doppelstiftung oder Unternehmensstiftung ins Spiel. Selten in einer Generation final beantwortbar, aber jetzt ist der Moment, die Weichen zu stellen.

Weg 4 — Internationale Strukturen

Für Vermögen ab einer bestimmten Größenordnung kann eine zusätzliche internationale Ebene sinnvoll sein — nicht zur Steuerumgehung, sondern für Diversifikation, Asset Protection und Erbgang. Diese Strukturen müssen heute völlig anders aufgebaut werden als vor zehn Jahren: ATAD, DAC6, CRS haben die Spielregeln verändert.

Wir bauen solche Strukturen nur dann, wenn sie ökonomisch tragen — nie aus Steuergründen allein. Eine Struktur, die nur steuerlich Sinn ergibt, ist eine Struktur, die irgendwann teuer wird.

Die drei Fallstricke

Erstens: Zu spät anfangen. Sechs Monate vor LOI ist die Untergrenze, zwölf Monate sind komfortabel, vierundzwanzig Monate sind professionell.

Zweitens: Die Holding als Endpunkt sehen. Eine Holding ohne Anlagestrategie ist nur eine Hülle — Sie haben Steuer gespart und Ertrag liegen lassen.

Drittens: Den Verkaufsprozess vom Anlageprozess trennen. Wer den Erlös erst nach Closing 'mal anlegt', verliert in den ersten zwölf Monaten regelmäßig mehr Rendite, als die ganze Steueroptimierung gebracht hat.

Wenn Sie einen Exit innerhalb der nächsten drei Jahre planen oder auch nur für möglich halten, ist heute der richtige Zeitpunkt für das erste Gespräch. Nicht morgen.

NachfolgeMärz 2026 · Lesezeit 6 Min.

Wenn die nächste Generation nicht übernehmen will.

In den Gesprächen, die wir führen, ist dieses Thema fast nie das erste, das angesprochen wird. Es kommt am Ende — leise, fast verschämt. 'Eigentlich wollten wir ja, dass die Tochter übernimmt. Aber sie hat eigene Pläne.' Und dann liegt es im Raum, dieses Eingeständnis, das viele Unternehmer als Versagen empfinden.

Es ist kein Versagen — es ist eine neue Realität

Wir sehen in unseren Mandaten seit Jahren denselben Trend: Die Quote der innerfamiliären Nachfolgen sinkt jedes Jahr. Das ist keine Schwäche der Generation, das ist eine Verschiebung der Lebensentwürfe. Wer das persönlich nimmt, blockiert die einzige Diskussion, die wirklich zählt: Was passiert mit dem, was Sie aufgebaut haben?

Die Antwort auf diese Frage zu vertagen, ist die teuerste Entscheidung in der gesamten Vermögensplanung. Jedes Jahr ohne klare Linie ist ein Jahr, in dem Optionen schrumpfen.

Die drei realistischen Wege

Verkauf an einen Strategen oder Finanzinvestor — der schnellste Weg, aber emotional der schwerste. Der Verkauf an ein Family Office oder einen langfristigen Partner — ruhiger, oft fairer, aber selten der höchste Preis. Übertragung in eine Stiftungsstruktur — das Lebenswerk bleibt als Institution erhalten, die Familie wird zur Begünstigten statt zur Geschäftsführerin.

Jede dieser Optionen hat ein Zeitfenster. Wer 65 ist und beginnt, hat ein anderes Fenster als jemand mit 55. Und keines dieser Fenster wartet auf Sie.

Was wir konkret tun

In begleiteten Mandaten setzen wir uns mit beiden Generationen an einen Tisch — getrennt zuerst, dann gemeinsam. Es geht nicht darum, jemanden zu überzeugen. Es geht darum, eine ehrliche Bestandsaufnahme zu machen: Was will die nächste Generation wirklich? Was braucht das Unternehmen? Was schützt das Vermögen über die Familie hinaus?

In acht von zehn Fällen ist die Lösung danach klar. Nicht immer angenehm — aber klar. Und Klarheit ist im Vermögensaufbau die seltenste, wertvollste Ressource.

Wenn Sie dieses Gespräch in Ihrer Familie noch nicht geführt haben, führen Sie es. Wenn Sie es führen wollen, aber nicht wissen wie — wir moderieren genau solche Prozesse seit über fünfzehn Jahren.

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